Pilotprojekt "Reisendenstromlenker"

Bei einem streng getakteten Verkehr von bis zu 30 Zügen pro Stunde auf der Stammstrecke ist es notwendig eine maximale Haltezeit von 30 Sekunden pro S-Bahn am Bahnsteig einzuhalten. In der Testphase werden daher sogenannte Personenstromlenker vor allem zu den Hauptverkehrszeiten an der Station Hauptbahnhof (tief) zum Einsatz kommen.

Häufig gestellte Fragen und Antworten zum Pilotprojekt "Reisendenstromlenker"

Warum wird dieses Pilotprojekt durchgeführt?

Bei der S-Bahn München verkehren auf der Stammstrecke Werktags (Montag bis Freitag) in den Hauptverkehrszeiten (HVZ) am Vormittag und am Nachmittag zwischen Ostbahnhof und Donnersbergerbrücke pro Stunde 30 Züge je Fahrtrichtung. Um bei dieser dichten Zugfolge einen pünktlichen Betrieb zu ermöglichen, ist es notwendig eine maximale Haltezeit von 30 Sekunden pro S-Bahn am Bahnsteig einzuhalten. Bereits wenige Sekunden Verspätung addieren sich durch die dichte Zugfolge in der Stammstrecke auf und führen zu Folgeverspätungen im gesamten S-Bahn-System.

Was sind die Ziele des Projektes?

Die Pünktlichkeit der S-Bahnen soll nachhaltig verbessert werden. Um dies zu erreichen, können Personenstromlenker (= Bahnsteigmitarbeiter) an den Bahnhöfen im Stammstreckenbereich zwischen Donnersbergerbrücke und Ostbahnhof eingesetzt werden. Wir möchten mit der Testphase Personenstromlenker/Innen erste Erkenntnisse über die Wechselwirkung zwischen Fahrgästen, Stationsbetrieb und Haltezeitüberschreitungen sammeln.

Wann findet die Testphase statt (Zeitraum und Tageszeiten)?

Die Testphase läuft vom 16. Mai bis 9. Juni 2017, über vier Wochen. Sie wird an der Station Hauptbahnhof (tief), von Montag bis Freitag zur frühen (6.15 - 9.15 Uhr) und späten (15.30 - 18.30 Uhr) Hauptverkehrszeit durchgeführt werden. An Wochenenden, Feiertagen oder Brückentagen findet keine Personenstromlenkung statt.

Wie viele Bahnsteigmitarbeiter werden während der Testphase vor Ort eingesetzt?

Es werden sieben Mitarbeiter vor Ort eingesetzt. Sie sind v.a. an den neuralgischen Punkten des Bahnsteiges (v.a. Auf-/Abgänge) positioniert.

Woran erkennt man die Reisendenstromlenker?

Die Reisendenstromlenker erkennt man an den Warnwesten, die sie tragen.

Zwei Mitarbeiter sind mit Headset ausgerüstet, um über den gesamten Bahnsteig hinweg Ansagen am Bahnsteig durchführen zu können.

Was genau machen die Mitarbeiter dann vor Ort?

Die Personenstromlenker unterstützen den Fahrgastwechsel durch geeignete Maßnahmen, wie direkte Ansprache der Fahrgäste sowie Bahnsteigdurchsagen.
Sie haben grundsätzlich zwei Aufgabenbereiche: die Fahrgastlenkung und die Kundeninformation.

Die Mitarbeiter weisen die Fahrgäste gezielt von den Zugängen zu weniger frequentierten Bahnsteigbereichen.

1. Die Fahrgäste werden unter Berücksichtigung der Zuglänge (Zugzielanzeiger) am Bahnsteig verteilt.
2. Wenn nötig, wird der Zustieg beim Türschließvorgang an kritischen Türen bei den Zugängen blockiert.
3. Die Reisendenstromlenker geben Auskünfte zu Fragen der Fahrgäste bzw. verweisen auf jeweilige Anlaufstellen. Priorität hat aber die Fahrgastlenkung.

Bei weiterführenden Fragen stehen den Fahrgästen die Aushänge, das Kundencenter am Hauptbahnhof im Zwischengeschoß oder die örtliche Aufsicht zur Verfügung.

Was müssen die Reisenden beachten?

Die Personenstromlenker geben den Reisenden Hinweise zum schnellen Einstieg, zur besseren Einstiegsmöglichkeit für Personen mit Kinderwägen oder im Rollstuhl.
Das Zusammenspiel aus Hinweis und Beachtung der Hinweise bzw. Annahme der Hilfestellung ermöglicht einen effektiveren Einstieg und damit eine pünktliche Abfahrt des Zuges.

Was ist der Vorteil dieses Projektes für die Reisenden?

Der Vorteil für die Reisenden ist eine wesentliche Reduzierung des Verspätungszuwachses durch Haltezeitüberschreitungen. Somit kann eine pünktlichere und reibungslose Fahrt gewährleistet werden. Daher sind die gleichmäßigere Verteilung von Fahrgästen am Bahnsteig und die Unterbindung von Nachzüglern im Sinne aller Fahrgäste der Erfolgsfaktor.

Wie wird auf mobilitätseingeschränkte Personen eingegangen?

Die Reisendenstromlenker geben mobilitätseingeschränkten Personen Informationen zum Einstiegsort und helfen ihnen ggf. beim Einstieg.

Information zur Beschallung mit HOLOPLOT während der Testphase

Wer ist Holoplot?

HOLOPLOT ist ein Start-up Unternehmen, welches ein neuartiges Lautsprechersystem entwickelt hat. Das Unternehmen gehört zu den Gewinnern des vierten Pitch-Events des DB Accelerator-Programms.

Dieses Akustiksystem wird an verschiedenen Bahnhöfen erprobt. Nach Frankfurt am Main und Frankfurt Flughafen ist der Münchner Hauptbahnhof der nächste Testbahnhof. Das Akustiksystem wird im Rahmen des Projektes der Personenstromlenkung am Gleis 1 des Münchner Hauptbahnhofes zeitweise installiert.

Was ist das besondere an der Anlage?

HOLOPLOT bietet mit seinem softwaregesteuerten Sound System die Möglichkeit, Schall sehr präzise und frei von der physikalischen Ausrichtung des Systems zu richten. Dabei bleibt der Schalldruck auf Distanz deutlich konstanter als mit bisherigen konventionellen Systemen, wodurch die eigentliche Ausgangsleistung teilweise verringert werden kann, welches wiederum den Vorteil von weniger Reflektionen und verbesserten Klangbildern bringt. Gleichzeitig erlaubt die Richtbarkeit, störende Gebäudeteile nicht anzustrahlen und so entsprechende Reflektionen zu vermeiden, welche negative Auswirkungen auf die Sprachverständlichkeit haben.

Was kann diese Anlage, was andere nicht können?

Durch die Eingrenzung der Schallfelder und den niedrigeren Anteil an Reflektionen wird zudem die Lärmbelästigung verringert, da unbeabsichtigte Bereiche kaum angestrahlt werden und somit andere Reisende nicht gestört oder verwirrt werden. Das System ermöglicht es zudem mehrere (bis zu 16) verschiedene Schallfelder gleichzeitig zu erstellen, welche an unterschiedlichen Positionen, mit unterschiedlichen Größen und unterschiedlichem Content befüllt werden können. Somit lassen sich verschiedene Bereiche von Bahnhöfen gleichzeitig mit individuellem Ansageninhalt versorgen, wobei die Felder in Echtzeit bewegt und verändert werden können.

Natürlich verschwinden Schallwellen im Raum nicht von selbst und treffen schlussendlich immer wieder irgendwo auf und erzeugen Reflektionen. Der Vorteil von HOLOPLOT ist aber, dass dieser Prozess nun per Software kontrolliert und gesteuert werden kann. Das HOLOPLOT System arbeitet zentral und erfordert keine Installation von einer Vielzahl von Lautsprechern.